Sachbuch
|
|
Herbert Schnädelbach: Was Philosophen wissen und was man von ihnen lernen kann
Philosophie hat als Beschäftigung des bildungsbürgerlichen Mittelstandes Konjunktur und nimmt heute etwa die Bedeutung ein, die vor hundert Jahren die Hausmusik hatte. Das wachsende „Bedürfnis nach gedanklicher Orientierung im Bereich der Grundsätze unseres Denkens, Erkennens und Handelns“ drückt sich in verstärkter Nachfrage und – dieser folgend - in vielfältigen Angeboten zu philosophischer Freizeitbeschäftigung aus. Dabei werden durchaus respektable Niveaus erreicht. Hiermit nicht zu verwechseln sei allerdings das Interesse an der Philosophie als einem etablierten wissenschaftlichen Fach, schreibt Herbert Schnädelbach in der Einleitung zu seiner – fast – allgemeinverständlichen Beschreibung dessen „Was Philosophen wissen“. Der emeritierte Professor hat an den Universitäten in Frankfurt am Main und Hamburg sowie zuletzt an der Humboldt-Universität zu Berlin Philosophie gelehrt. Anhand von 14 philosophisch relevanten Themen demonstriert er, was in der gegenwärtigen wissenschaftlichen Philosophie als verbindlich gilt, was als gesicherte Erkenntnis angesehen werden kann.
|
|
Weiterlesen...
|
|
Linda Maria Koldau: Titanic
Das – gefühlt tausendste – Buch zum Untergang der „Titanic“ sollte zum hundertsten Gedenktag der Katastrophe am 15. April erscheinen. Die aktuellen, nicht vergleichbaren Ereignisse um die „Costa Concordia“ geben dem Buch eine bedrückende Aktualität. Die in München geborene, im dänischen Aarhus unterrichtende Kultur- und Musikwissenschaftlerin Linda Maria Koldau hat der vorliegenden Legendenliteratur keinen weiteren Untergangsthriller hinzugefügt. Sie hat vielmehr in vorbildlicher Weise aus den Quellen die technischen, ökonomischen, nautischen und ereignisbezogenen Komponenten um die Kollision des schwimmenden Luxushotels mit einem Eisberg rekonstruiert und ist der Rezeption der Katstrophe in den Medien nachgegangen. Zahn um Zahn zieht sie aus dem Rachen der Sensationsgier, die seit hundert Jahren den zum Begriff gewordenen Untergang der „Titanic“ zu einem Topos von menschlichem Versagen, Gewinnstreben, Edelmut und „Being British“ ausgeschlachtet hat. Das nüchterne Verfahren der Autorin bekommt dann selbst etwas Sensationelles: Die menschliche Neigung, aus Katastrophen medialen Honig zu saugen wird entlarvt. Es entsteht ein wirklichkeitsnahes Bild der Ereignisse. Es ist dramatisch und tragisch, vorwurfsvoll und in Einzelfällen auch heroisierend genug: Es bedarf keiner übertreibenden Fiktionalisierung.
|
|
Weiterlesen...
|
|
Dieter E. Zimmer: Ist Intelligenz erblich?
Ohne Sarrazins politische Polemik „Deutschland schafft sich ab“ gäbe es diese „Klarstellung“ von Dieter E. Zimmer nicht. Der langjährige Feuilletonchef der ZEIT und vielfach ausgezeichnete Wissenschaftsjournalist springt dem gerade noch um einen Ausschluss aus der SPD herumgekommenen provozierenden Bestseller-Autor in einer zentralen, von Sarrazin allerdings widersprüchlich vertretenen These bei: Intelligenz werde nach der seit langem von der Forschung anerkannten Auffassung maßgeblich von den Genen bestimmt. In seinem von einer wahren Obsession für Wissenschaftlichkeit geprägten Buch zeichnet Zimmer hundert Jahre einer Forschungsgeschichte nach, die sich in neuerer Zeit vor allem in den Vereinigten Staaten aber auch in westeuropäischen Ländern abgespielt hat. In Deutschland hätten die meisten Forscher einen großen Bogen um die entscheidenden Fragen gemacht. Die Messbarkeit nicht-physischer Eigenschaften der Menschen und die Frage, ob die kognitiven Fähigkeiten angeboren sind, habe vor dem belastenden Hintergrund der nationalsozialistischen Rassenideologie hierzulande keine Chance gehabt, erforscht zu werden. Sollte diese Schere im Kopf der Forscher hierzulande tatsächlich bestehen, müsste darüber nachgedacht werden. |
|
Weiterlesen...
|
|
Slavoj Žižek: Die bösen Geister des himmlischen Bereichs Vor dem Hotel im Frankfurter Rotlichtviertel steht mitten Im November ein Mann im T-Shirt. Er wirkt nicht fremd dort, wo er steht, ist für eine Frühverrentung schon zu alt, für einen Asketen zu rund und für einen Weisen zu quirlig. Salvoj Žižek wartet auf seinen Interviewpartner und kommt dann in einem ungastlichen Besprechungsraum gleich zur Sache. Er propagiert ja einen für das 21. Jahrhundert tauglichen Kommunismus. Auf die klassische Frage Lenins „Was tun?“ bricht der Vulkan für eine Stunde aus. Ohne Luft zu holen, immer wieder nervös an seinem T-Shirt zupfend, verströmt er sein geistreiches und an Vernunft appellierendes Magma. Schnell war die Entscheidung über die Interviewsprache geklärt: Als Direktor des Institute for Humanities in London liegt ihm das Englische jetzt näher als das Französische, das er während seines Studiums bei einem Lacan-Schüler in Paris und seiner Ausbildung zum Psychoanalytiker beherrschen gelernt hat. Für die entscheidenden philosophischen Begriffe verwendet er deren deutsche Klarfassung, er spricht also nicht vom englischen „moral“, wenn er das ausdrücken will, was im deutschen Idealismus mit „sittlich“ gemeint ist. In kräftigen Zügen schwimmt dieser aus Slowenien stammende Philosoph und Kulturkritiker gegen den Mainstream. Mit einem Federstrich fegt er das alles widerlegende 20. Jahrhundert beiseite, um die „ewige Idee“ des Kommunismus in unserer gegenwärtigen historischen Situation neu zu erfinden. Es geht um sein bei S. Fischer gerade erschienenes Buch „Die bösen Geister des himmlischen Bereichs“, dessen Untertitel den Geist des Werks besser trifft: „Der linke Kampf um das 21. Jahrhundert“. |
|
Weiterlesen...
|
|
|
<< Start < Zurück 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Weiter > Ende >>
|
|
Seite 1 von 12 |