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Das Buch gliedert sich 15 thematische Abschnitte, die vom Generationenkonflikt mit seinem Vater bis zu Briefwechseln mit seinen Verlegern und Förderern Cotta, dem Verleger Goethes, und Campe, dem Verleger Heines, reicht. Börne war zu seinen Lebzeiten ein gefragter Autor und hat bei den ersten Adressen publiziert. Oft stürzte er seine Herausgeber in Konflikte mit der Zensur. Als überzeugter Demokrat, als einer der ersten, der in Deutschland Pressefreiheit („die öffentliche Meinung … eine Volksbewaffnung“) forderte, als Exilant in Paris sowohl ein deutscher Patriot wie ein früher Europäer, als bissiger Literatur-, Theater- und Musikkritiker – immer schlug er eine scharfe Klinge. Köstlich ist seine „Monographie der deutschen Postschnecke“, den er als „Beitrag zur Naturgeschichte der Mollusken und Testaceen“ an der Zensur vorbeischmuggelte. Der Besetzung durch das napoleonische Frankreich – den deutschen Patrioten eine Initialzündung für den Einheitsgedanken – hat er manchen positiven Aspekt abgewonnen. Die damals von der Besatzungsmacht gesetzlich verankerte Gleichberechtigung der Juden wurde im Zuge der von Metternich vorangetriebenen Restauration schnell wieder zurückgenommen. Die Kostproben, die „Das große Lesebuch“ bereithält, beschwören zuweilen eine frappierende Aktualität, lassen manches Feuilleton der Gegenwart – auch das von geschätzten „Edelfedern“ – als stumpf verblassen. Sie vermitteln vor allem einen Eindruck von dem, was im damaligen Vormärz für möglich gehalten und später, nach der gescheiterten Revolution von 1848 so dramatisch verspielt worden ist. Vor allem aber sind sie Beispiele für das literarische Niveau der scharfen Formulierung, für die Kraft der Satire, für die Möglichkeiten, aus tagesaktuellem Anlass allgemeingültige Forderungen abzuleiten. Wenn man ihn in Deutschland (fast) vergessen hat, war das nicht seine Schuld. Ein Klassiker des kritischen politischen Feuilletons hat es hierzulande nicht leicht, sein Genre eignet sich nicht zur Zierde des Bildungsbüger-Bücherschranks, obwohl es ihn eigentlich demokratisch veredelte! Harald Loch Ludwig Börne. Das große Lesebuch |